Was macht der Trinkhalm in der Jahreslosung 2018?

Soweit ist ja alles klar: Jeder von uns weiß, wie es ist, wenn man durstig ist. Wenn zur Zeit der Bibel von Durst die Rede ist, geht es meistens um existenziellen Durst. Um den leidenden Durst beim Durchqueren der Wüste. Oder auch Durst aus Armut.

Wenn in unserer heutigen Welt von Durst die Rede ist, denken wir zuerst wahrscheinlich an den Durst bei sportlicher Betätigung oder beim Bergsteigen etc. Der Durst eines trainierenden Läufers erzeugt deshalb nicht weniger Leiden, würde man ihn nicht stillen. Und dennoch ist er nicht existenziell. Ich nenne unseren heutigen Durst „Wohlstandsdurst“. Wir powern uns freiwillig aus und davon werden wir durstig. Mein kürzlichstes Durstgefühl ist sogar besonders skurril: Ich hatte Durst, weil ich mich zu lange in der trockenen Luft der Wellness-Thermen-Oase aufgehalten habe. Das ist echter Wohlstandsdurst!

Ist der Bibelspruch der Jahreslosung deshalb weniger relevant für heute?

Die Beispiele zeigen, dass heutiger Durst selbst bei großem Wohlstand auftritt. Heute kennen wir sogar das angenehme Ergebnis des Durstlöschens. Ich denke an Bilder eines Volkslaufs in einer x-beliebigen Stadt. Unmengen von Menschen nehmen teil und sie passieren die sogenannten Labstationen. Dort steht sie die Rettung: Freundliche Helfer des Veranstalters halten den Läufern Wasserflaschen entgegen. Sie laufen sogar ein Stück mit, damit das Laufen nicht unterbrochen werden muss. Die Läufer brauchen nur zuzugreifen. Gerade kein Geld dabei? Kein Problem. Dieses Wasser ist kostenlos ;-)

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Es stimmt, unser Durstgefühl ist nicht mehr so existenziell wie damals. Aber der Mechanismus von Durst leiden und Durst löschen ist der selbe geblieben. Wir konsumieren das Durstlöschen sogar so selbstverständlich, dass wir es wohl selten mit einer spirituellen Besonderheit in Verbindung bringen.

Ist Gott womöglich der freundliche Helfer beim Halbmarathon, der die kostenlose Wasserflasche hinhält und einem sogar noch nachläuft? 

Was macht dann der Trinkhalm im Bild? Er ist für mich die Verbindung des „alten“ Bibelspruchs in unseren zivilisierten Alltag. Und er steht für gepflegtes, bewusstes und langsames Trinken. Mineral-Zitron wird oft so serviert oder auch AperolSprizz ;-) Mit Trinkhalm ist kein gieriges Trinken möglich. Eher schluckweises Genießen.

Vielleicht ist das eine angemessene Form, wie das biblische Quellenversprechen heute wieder lebendig werden kann. Auch für Nichtsportler. Schluck für Schluck, achtsam die Kehle befeuchtend und gefühlvoll seinen zarten Geschmack entfaltend…?

Wahrscheinlich werde ich ab jetzt bei jedem Trinkhalm-Getränk an die Jahreslosung denken müssen. Und was das lebendige Wasser für mich bedeuten kann. Schluck für Schluck!

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Prost, Günther

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